Brot und Spiele ... und was das mit Weihnachten zu tun hat.
All das hatten wir am Ende des römischen Reiches auch.
Dem Volk ging es immer besser. Alles war im Überfluss vorhanden, eine weitere Ausdehnung des Reiches nicht mehr möglich, weil nicht mehr zu verwalten. Und alles, was den Politikern damals einfiel: Weitermachen, wie bisher, als sei nichts geschehen. DasVolk wurde übermütig, träge, satt,. Um es bei Laune zu halten, wurden Gladitorenspiele veranstaltet und man gab dem Volk - in bester sozialistischer Manier - genug zu essen. Und diese Gladiatorenspiele wurden immer grausamer, gefährlicher - die Menschen wollten Nervernkitzel, alles "normale" war langweilig.
Und das Volk wurde noch träger, noch satter - lethargisch. Als Folge konnten sich die Mächtigen widerspruchlos selbst bedienen, die Moral brach völlig ein.
Seit vielen Jahren schon beobachte ich ähnliche Entwicklungen bei uns. Wir unterhalten uns kaum mehr über das "tägliche Brot", der Überlebenskampf geht um Urlaub, Skifahren, Auto, Handy, Boot - FREIZEIT FÜLLEN ist das Problem des Homo Sapiens in unserem Kulturkreis geworden. Und um ihn bei Laune zu halten, werden ihm moderne Gladiatorenspiele geboten: Fussball, DSDS, Wetten dass ..., Ski-Alpin, usw.
Im Unterschied zu damals finden diese Gladiatorenspiele jedoch heute nicht mehr im Circus Maximus statt, sondern vor dem Fernseher. Die Menschen müssen sich nicht mal mehr zu den Spielen hin bewegen. Seit Jahren nimmt die Unterhaltungsmaschinerie der Fernseh-Sendungs-Fabriken immer abstrusere Züge an. Psychische Volksverdummung bei Big Brother, zum Kotzen ekel-erregende Aufgaben im Dschungel Camp, schonungslose Beleidigungstiraden und Bloßstellungen bei DSDS, sogar vor dem realen Tod wurde in holländischen Sendern nicht haltgemacht.
Einziger Lichtblick dabei: Unserer Öffentlich - Rechtlichen. Das ZDF zeigte Stil, indem es eine Sendung (Wetten, dass vom Samstag, 3.12.2010) nach einem "Gladiatoren-Unfall" einer - eigentlich völlig sinnfreien - Wette abbricht und KEINE Bilder des Verunglückten zeigt. Ein wenig mehr Verantwortungsbewusstsein, als die sog. Privaten.
Aber natürlich wird das von allen anderen Medienkanälen jetzt bedenkenlos auflagensteigernd ausgeschlachtet werden. B.I.L.D. zuerst.
Denn auch Tratsch und Klatsch werden ja heute nicht mehr von Mensch zu Mensch, sondern von den "Nachrichten"-Sendungen verbreitet. Das Volk bekommt "quotenwirksamen" Einheitsnachrichtenbrei vorgesetzt. "Heute schon lesen, was morgen Meinung ist" - warb B.I.L.D. dereinst. "Only bad News is good News" sagt der Nachrichten-Redakteur, denn er weiß, daß sich schlechte Nachrichten am Besten verkaufen. Und so gibt es fast nur noch schlechte Nachrichten: Wen wundert's da noch, wenn das Volk - ob solch permanenter schlechter Nachrichten - auch schlechte Laune kriegt, depressiv wird. (Und die Menschen dann - auf Kosten der Krankenkassen - in psychosomatischen Kliniken behandelt werden müssen, wo dann erzählt wird, wie wichtig doch das Lachen sei.)
Und dann ist da noch das Internet mit seiner "neuen" Sprache: "Sozialising" bei facebook statt Miteinander reden, "googlen" statt Meiers Lexikon, Berufs-Schaufenster auf XING, "Chatten" statt die Kneipe um die Ecke. "EMail" statt Telefon.
Nirgendwo auf der Welt wird mehr gelogen als im Internet. Auch solche permanenten Negativ-Erlebnisse sorgen nicht unbedingt für Gute Laune.
Weihnachten ist die Zeit inne zu halten, nachzudenken, ob das, was uns hier - mit Hilfe von Technik - serviert wird, auch die Wichtigkeit für unser Leben hat, die es uns vorgaukelt. Ich glaube, es ist besser, sich von dem "immer, schneller, höher, weiter, rechthaberischer, schlechter, böser, gefährlicher, toter" wieder weg und hin zu "manchmal, bedächtiger, besser, kreativer, rüchsichtsvoller, schöner, lebenswerter" - also von der Quantität wieder weg, hin zur Qualität zu entwickeln. Schliesslich heisst es ja Lebensqualität und nicht Lebensquantität, die uns erhalten bleiben soll.
Dann und nur dann muss nicht der Brandner Kaspar allein ins Paradies schauen, sondern wir erhalten ein bischen Paradies hier unten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne, selbstgestaltete, - nicht mediendiktierte - Vorweihnachts- und Weihnachtszeit.
Ihr Christian Hauck
