Neugierig war ich diesmal vor meiner Reise in die USA; neugierig, wie schon lange nicht mehr.
Von den Amish hatte ich ja schon gehört und daß sie angeblich leben würden, wie vor 250 Jahren; ohne Strom, mit Pferd und Buggy und merkwürdig kleiden würden sie sich auch.
Unvorstellbar in unserer elektronisch orientierten Welt, in der Strom ein "Grundnahrungsmittel" darstellt, dessen Ausfall unmittelbar zu "Mangel- und Entzugserscheinungen" führt.
Das musste ich mir anschauen, bin nach Lancaster County in Pennsylvania gefahren, zu den "Old Order Amish", der extremsten der verschiedenen Amish Gruppierungen - und bin tief beeindruckt zurückgekommen.
Das erste, was mir auffiel: Amish-Land ist sauber, ordentlich - ganz im Gegensatz zum sonstigen Amerika. Es sieht so aus, als wäre man im Voralpenland; nirgendwo oberirdische Kabel. Aber nicht, weil sie unterirdisch sind, sondern, weil es keine gibt; weder für Telefon, noch für Strom. Die Gärten sind schön angelegt, die Häuser gepflegt, die Wäsche hängt zum Trocknen auf der Leine; Einfach eine schöne - wir würden sagen: idyllische - Landschaft.
Und dann habe ich erfahren: Es stimmt einfach nicht, was man oft im Internet liest; die Amish leben nicht, wie vor 250 Jahren. Sie leben heute, in unserer Zeit, mit unserer Zeit, nur eben ganz anders. Das Ziel des Amish - Lebensstils ist die Rücksicht auf die Mitmenschen, der Zusammenhalt der Familie und - vor allem - das friedliche Miteinander. Und das äusserst konsequent.
Schädigende Einflüße werden nicht nur lautstark - ohne anschliessende Aktion -, wie bei uns, angeprangert, sondern konsequent vermieden.
Nehmen wir das Auto:
Umweltverschmutzung, (gesellschaftsschädigendes) Statussysmbol, ein Mittel der Mobilität, die Familien trennt (weil man ja meint, man könne schnell wieder zusammenkommen).
All das bewegt die "Old Order Amish" dazu, den Besitz von Autos zu verbieten. So findet man dann in Lancaster und umgebung überall, vor allen Geschäften noch die "Balken" des wilden Westens, an die die Pferde der Pferdewägen angebunden werden.
Nehmen wir die Kleidung:
Old Order Amish haben eine einfache, zweckmäßige und qualitativ sehr hochwertige Kleidung - mit strenger Kleiderordnung.
Knöpfe sind verpönt; aber nicht - wie einem so erzählt wird, weil die Unterdrücker und Verfolger der Amish im 17.ten Jahrhundert Soldaten waren, sondern weil Knöpfe auch Statussymbole und Schmuck darstellen.Die Kleidung ist uniformim Sinne des Wortes - also einheitlich -, um auch hier Statussymbolhaftigkeit zu verhindern. Schmuck ist ebenfalls verboten. Schmuck und Statussymbole fördern Neid. Neid frist eine Gemeinschaft auf. Die Gemeinschaft zu erhalten ist eines der höchsten Ziele der "Old Order Amish".
Nehmen wir die Wohnung:
Elektrizität im Haus ist untersagt. Die Nutzung von (Gas-)Kühlschränken nicht. Auch Gaslampen sind ok. Das Ganze, weil es keine Gas-Fernseher, keine Gas-Radios, keine Gas-Ipods und -Ipads, keine Gas-Computer, keine Gas-Telefone und so fort gibt. Das Familienleben läuft UNGESTÖRT, und - vor allem - ZUSAMMEN ab.
Ein Telefon ist erlaubt - in einem kleinen Häuschen am anderen Ende des Grundstückes - als Not-Telefon.
Elektrizität ist erlaubt - in der Scheune, wenn Sie selbst erzeugt wird.
Werkzeuge - auch moderne - werden selbstverständlich verwendet - in ihrer Druckluftvariante.
Es fällt auf, daß in den Wohnungen keine Bilder hängen. "Du sollst Dir kein Bildnis von Dir selbst machen" steht in der Bibel. Bilder sind - in den Augen der Amish - ein zeichen der Eitelkeit; Eitelkeit führt zu Neid, Neid schädigt die Gemeinschaft.
Unserer Familien brechen auseinander, unser Sozialstaat droht zu scheitern, unseren Lebensraum zerstören wir, alle haben wir Burn-Out, psychisch brechen wir unter dem Leistungs-Druck zusammen. Unsere Gesundheit ist zusammen mit dem entsprechenden Gesundheitssystem am Ende; "glücklich und fröhlich" ist bei uns selten geworden.
Die Amish zeigen: Es ist anders möglich - durch Verzicht. Verzicht auf Technik und Ablenkung.
Nicht "immer schneller, höher und weiter" macht glücklich, sondern menschliche Nähe, menschliche Wärme, das Leben miteinander.
Ich habe schon lange nicht mehr eine solche Menge winkender, fröhlicher Kinder auf einem Haufen gesehen, wie bei den Amish.
Diesen extremen Weg sind wir gar nicht mehr in der Lage, zu gehen.
Ich meine aber: Wir könnten etwas lernen. Wir könnten anfangen, umzudenken.
Wir hätten ein Beispiel: Die Amish (die ja deutsche Wurzeln haben) zeigen uns, wie es gehen könnte.
Die Wahrheit liegt - wie immer- irgendwo in der Mitte.
Mehr dazu, sehr gut und sehr realistisch unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Amische
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Christian Hauck & das Team